Juli.
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2013

Nadine Müller wehrt Angriff auf Diskus-Krone ab!

11.07.2013 | Aktuell | Jan-Henner Reitze

Nadine Müller wehrt Angriff auf Diskus-Krone ab

Die Vorzeichen der DM in Ulm ließen einen Angriff auf den nationalen Thron im Diskuswerfen von Nadine Müller (Hallesche Leichtathletik-Freunde) erwarten. Nach einem Leisteneinriss in der Vorbereitung war die Vize-Weltmeisterin zum Saisonauftakt nur schwer in Schwung gekommen, während Julia Fischer (SCC Berlin; 66,04 m) und Anna Rüh (SCC Neubrandenburg; 64,33 m) mit Bestleistungen auftrumpften. Doch die Hallenserin blieb cool und holte sich am Samstag mit 64,17 Metern ihren fünften Titel infolge, jetzt richtet sich der Blick Richtung WM in Moskau (Russland; 10. bis 18. August). 

Nadine Müller hat schwierige Wochen hinter sich. Aus dem Trainingslager im April in Südafrika brachte sie nicht die erhoffte Form für einen erfolgreichen WM-Sommer mit, der sich mit 66,69 Metern und einem Sieg beim Winterwurf-Europacup in Castellon (Spanien) schon Ende März angedeutet hatte, sondern Leistenprobleme. Bei einer Untersuchung wurde ein Einriss diagnostiziert. Folge: Zwei Wochen Trainingsausfall, Gewichtsverlust, Zweifel.

Alles, was sich die 27-Jährige in den vorangegangen Wochen und Monaten erarbeitet hatte, dahin. Gedanken kamen auf, die Saison abzubrechen. Nadine Müller wusste: "Das ist schwer wieder aufzubauen, da ich sowieso nicht so der Krafttyp bin." Doch mit Hilfe des Zuspruchs ihres Trainers René Sack und ihrer Familie kämpfte sie sich Stück für Stück zurück und schob im Kraftraum "die Scheiben wieder neu drauf, die man eigentlich schon vor Monaten draufhatte“.

Auch im Wettkampf stellte sich die EM-Zweite, trotz der mangelenden Form. Ungewohnt früh landete der Diskus, etwa bei 60,54 Meter in Halle oder sogar nur 58,87 Metern beim Diamond League-Meeting in Birmingham. Julia Fischer und Anna Rüh boten mehrfach stärkere Weiten an und vieles deutete darauf hin, dass es in Ulm möglicherweise eine neue Deutsche Meisterin geben könnte.

Wenn´s drauf ankommt etwas mehr geben


Aber es kam anders. "Wenn man die Ziele, die man im Sportlerleben hat, noch nicht erreicht hat, dann motiviert einen das ungemein", erzählte Nadine Müller, die ihren Titel und ihre Position im DLV unbedingt verteidigen wollte. Mit all ihrer Erfahrung trat sie im ersten Durchgang in Ulm in den Ring und schleuderte den Diskus auf 64,17 Meter und damit auch zum ersten Mal nach ihrer Verletzung wieder über die WM-Norm (62,00 m). Mit dieser Norm-Weite hatte sich vorher im Training zu kämpfen gehabt.

Die Erfahrung war es wohl, die vor allem Julia Fischer fehlte, um auf diesen Auftakt zu antworten. Die Berlinerin fand nicht in den Wettkampf und konnte ihr Potential an diesem Tag nicht abrufen. Mit 58,86 Metern zerplatzten die Titelträume, nur Rang vier kam raus und eine geknickte Julia Fischer blieb zurück.   

Besser drauf war Anna Rüh nach ihrem Wettkampf, sie wunderte sich, warum ihr Diskus trotz technischer Fehler soweit geflogen war (63,79 m). Die Frage: "Was wäre bei einem technisch gelungenen Versuch rausgekommen?" ließ der jungen Neubrandenburgerin keine Ruhe. Die 66 Meter sollen in diesem Jahr unbedingt noch fallen.

WM-Medaille bleibt das Ziel


Ganz auf dem Stand von vor ihrer Verletzung ist Nadine Müller immer noch nicht. In den nächsten Wochen wird in Kienbaum an der Form gefeilt - wo auch Julia Fischer und Anna Rüh ihre Zelte aufschlagen. Ein kleiner Trainingswettkampf nicht ausgeschlossen. Die Rangordnung ist vorerst wieder hergestellt. Die erfahrenste der drei hat vor allem sich selbst bewiesen, "dass Nadine Müller funktioniert, wenn es drauf ankommt".

Um bei der WM ein Wörtchen um die Medaillen mitreden zu können, will sich die 27-Jährige auf ein Niveau "von 66, 67 Metern zurückarbeiten." Hinter Olympiasiegerin Sandra Perkovic (Kroatien) erscheint mit einer solchen Weite alles möglich. 

Nadine Müller musste durch ein Tal gehen, sie hat diese neue Situation gemeistert und ist sicher, "das macht einen noch stärker und härter für die kommenden Wochen".